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Wirbellose im Terrarium

Terrarien einrichten

Terrarien und Zuchtboxen einrichten - Ein Grundkurs

So unterschiedlich wie die Wirbellosen selbst, sind auch ihre Ansprüche an das Terrarium.
Grundsätzlich gilt wie auch bei Wirbeltieren, das Terrarium muss dem natürlichen Lebensumfeld der Tiere entsprechen.

Die wichtigsten Parameter sind:

Größe
       angepasst an des Tier und dessen Bewegungsdrang

Temperatur
       dem natürlichen Lebensraum entsprechend sehr oft 22°C-27°C

Luftfeuchtigkeit
      Viele Arten haben spezielle Bedürfnisse und leiden unter zu hoher/niedriger Rel.      Luftfeuchte, Sprühen und Belüften kann je nach Tierchen notwendig sein!

Bodengrund
      Manche Arten leben nur auf Ästen wie Mantiden, aber sehr viele Graben gerne.

Einrichtung
      Kletteräste und Verstecke sind fast imer notwendig, und machen das Terrarium erst  zu einem schönen Lebensraum

Wirbellose benötigen deutlich weniger Platz als Wirbeltiere dennoch dürfen sie nicht in zu kleinen Behältnissen gehalten werden (besonders bei Gruppenhaltung).

Zu fast jedem Pflegling finden sie detailierte Haltungsinformationen im Netz, daher wäre es nicht zweckmässig hier jedes einzelne Tier mit seinen Ansprüchen zu beschreiben, stattdessen gebe ich einen Einblick über Grundformen von Terrarien, Zuchtboxen und Aufzuchtsbehältern.
Der Einsteiger bekommt so einen Überblick, wie sich die Haltung von Wirbellosen optisch und auch im Handling gestaltet.
Bild: Aquaterrarium für Marmorkrabben(Metasesarma obesum)

Das Terrarium:


Der Bodengrund:
Am Boden oder im Unterholz lebende Arten benötigen meist ein Waldterrarium das der Laubschicht des Regenwaldes mit den darüberwachsenden Pflanzen entspricht.
Grabende Arten benötigen hohen Bodengrund, daher muss das Terrarium entsprechend dimensioniert sein. Oft ist es Zweckmässig sich  ein Terrarium selbst zu bauen damit dem Pflegling ein optimum an Grabevolumen zur Verfügung steht.

Besonders Krabben und Käfer benötigen teils sehr hohen Bodengrund.
Krabben legen oft unterirdische Wohnhöhlen an, daher sollte der Boden sich auch entsprechend Formen lassen und Strukturstabil sein. Dafür eignet sich Kokoshumus( im Tierhandel erhältlich) sehr gut.
Käfer graben sich nicht nur zum schlafen ein (Rosenkäfer nachts, Dynastiden und Lucaniden tagsüber) sondern legen darin auch ihre Eier ab. Jede Art hat spezielle Bedürfnisse um erfolgreich legen zu können, meist handelt es sich um Gemische aus Laubwaldhumus und weißfaulem Holz.
Die Larven entwickeln sich solange im Terrarium bis sie vom Halter in eine Aufzuchtdose überführt werden. Hier wird die jeweilige Substratmischung für die optimale Larvenentwicklung eingesetzt.


Pflanzen:
Üppige Bepflanzung wird bei manchen Arten schnell zum Spielzeug(Zerstörung) oder zur Sitzwarte umfunktioniert.
Sehr filigrane Pflanzen können nur dauerhaft in einem Terrarium gepflegt werden wenn die Tiere sie nicht schädigen.
Robuste Pflanzen sind daher die erste Wahl.
Es ist unbedingt darauf zu Achten einzusetzende Pflanzen gründlich zu reinigen(Wässern) um Schadstoffe wie Pflanzenschutzmittel und Düngerreste  zu entfernen, den besonders Wirbellose reagieren sehr stark darauf, was oft zum Tod der geliebten 6-60Beiner führt(Insekten-Dipopoden).


Rückwände und Einrichtung:
Viele Arten Klettern gerne. Kletteräste und erklimmbare Rückwände sind daher Pflicht. Man kann diese im Zoofachhandel erstehen oder selbst sammeln bzw. bauen.
Rückwände werden meist aus Styropor/Styrodur geformt und mit gefärbtem Fliesenkleber(Flex) überzogen.
Hierzu finden sich im WWW tausende teils sehr gute Anleitungen.


Boxen mit Larven verschiedener Käfer

Zuchtboxen:
Bei Zuchtboxen geht es um die Maximierung und Optimierung der Vermehrung von Wirbellosen.

Generell fallen Zuchtboxen in ähnlicher Größe aus wie Terrarien (ausser Gesellschaftsterrarien) jedoch wird besonderes Augenmerk auf die zur Nachzucht erforderlichen Details geachtet.
Besonders in der Käferzucht ist es wichtig eine optimale Zuchtbox zu gestalten um überhaupt Nachzuchten zu erhalten.
Bei Rosenkäfern genügt es meist wenn der Bodengrund aus Laubwaldhumus(LWH) besteht ein hygienischer Futterplatz und ein Kletterast darin Platz finden.
Dynastiden und Lucaniden(Riesenkäfer und Hirschkäfer) benötigen oft weißfaules Holz im richtigen Stadium oder spezielles Substrat um erfolgreich Eier zu legen.

Phasmiden und Mantiden werden oft in kleineren Behältern verpaart und dann die später gelegten Eier entnommen bevor die Muttertiere wieder ins normale Haltungsterrarium übersiedeln.

Bei Krabben werden kaum spezielle Zuchtboxen verwendet, hier findet die Vermehrung im Terrarium statt( z.B.: Geosesarma sp.) oder die Nachzucht ist nur unter größten Mühen in einer Meerwasseranlage möglich ( Metasesarma obesum, Pseudosesarma moeshii wurden so bereits erfolgreich nachgezüchtet, den Züchtern gebührt für ihre Arbeit größter Respekt).

Diplopoden(Tausendfüsser) werden meist in großen Gruppen gehalten, oft vermehren sie sich im Haltungterrarium aber es werden auch gezielt Zuchtboxen verwendet, im allgemeinen sind ähnliche Materialien in Verwndung wie in der Käferzucht.
Ich selbst habe z.B.: Coromus sp.(ein Bandfüsser) nachgezüchtet, hierbei, denke ich, hatte ein bestimmter Pilz im Holz den Ausschlag gegeben für eine gelungene Nachzucht.


  Manche Larven können sich durch zu dünne Plastikbehälter nagen. hier hat es eine L3-Larve von Xylotrupes gideon sumatrensis geschafft.

Larvendosen:

Käferlarven werden in ihrer Größe entsprechenden Plastikdosen oder Gläsern( Z.B.: Kinshi-Bottles) gehalten.
Das Substrat muss wenn es verbraucht ist gewechselt werden (hoher Anteil an Kotpellets in der Dose).
Es ist unbedingt darauf zu achten dass eine sich bald verwandelnde (metamorphosierende) Larve genug Platz für die Verpuppung hat.
Manche Arten legen ihre Kokons senkrecht an und viele waagerecht. Daher ist ein entsprechendes Behältniss zu wählen, sonst kommt es zu Fehlbildungen oder dem Tod der Larve.
Dem Anfänger rate ich eher größere Behältnisse zu verwenden so kann die Larve wandern um in trockenere / feuchtere Bereich zu kommen und hat mit Sicherheit genug Platz für die Verpuppung. Mit zunehmender Erfahrung bekommt man ein Gefühl dafür wie groß das passende Behältnis sein muss.


Viel Spaß beim Terrarien und Boxen einrichten wünscht euch euer Clemens